Ringkissenhasserin #1

So, ich muss Euch jetzt einmal ein Geständnis machen: ich bin absoluter Ringkissenhasser! Ich kann die Dinger einfach nicht leiden. 

Es gibt so viele schönere, fantasievollere, kreativere und passendere Möglichkeiten, die Ringe zu präsentieren. Schließlich sind die Ringe das stärkste Symbol der Ehe. Sie sind das sichtbare und greifbare JA zueinander. Und das darf bei Eurer Hochzeit auch gezeigt werden!

Fast genauso langweilig ist es, wenn der Trauzeuge bloß eine kleine Schatulle aus der Westentasche zieht und aufklappt. Dann hat keiner der Gäste, geschweige denn der Fotograf die Ringe vorher zu Gesicht bekommen. 

 

Deshalb werde ich Euch hier immer wieder einmal eine schöne Variante der Ringdarbietung vorstellen :o)

Für stolze Hundemamis und Hundepapis ist es oft der größte Herzenswunsch - und fast schon selbstverständlich, dass die Lieblinge auch bei der Trauung eine "tragende" Rolle spielen sollen. Klar, die Hunde nehmen im Leben einen ganz wichtigen Platz ein. Warum dann nicht auch bei so einem wunderbaren Ereignis, wie der eigenen Hochzeit!

 

Wenn mein Hund nicht einfach nur zu doof dafür gewesen wäre, hätte er damals auch unsere Ringe bringen dürfen.

Bevor jetzt ein Shitstorm losbricht, wie ich es wagen kann, so ein wertvolles Wesen als doof zu bezeichnen und den Tierschutzbund an den Hals gehetzt bekomme, lasst mich nur kurz sagen: ja, sie ist doof, aber unglaublich lieb! Sie wird hier nicht gequält oder Situationen ausgesetzt, die sie mit ihrem beschränkten Minihirn nicht meistern könnte. Also alles gut.

 

Aber wir wollten uns ja eigentlich eine der schönsten Alternativen für ein Ringkissen anschauen: der eigene Hund. Und dazu will ich Euch eine Geschichte erzählen:

 

Vor fast genau einem Jahr hat mich ein junges Paar gebucht und gleich dazu gesagt, dass die alte Retrieverhündin Fanny die Ringe bringen soll. Fanny ist das Herzensgeschenk der Braut zu ihrem 10. Geburtstag gewesen und seitdem treu an ihrer Seite. Und in den Bräutigam hat sich Fanny genauso schnell verliebt, wie die Braut. Die drei waren einfach die perfekte Einheit. Was gibt es also Logischeres, als Fanny bei ihrer Trauung einzubeziehen.

 

Als ich mich drei Monate vor der Trauung wieder mit diesem Paar traf und fragte, wo denn Fanny wäre, sind gleich Tränen geflossen. Fanny ist kurz davor nach einem glücklichen und langen Hundeleben eingeschlafen. Die Traurigkeit der beiden um den Verlust ihrer lieben Freundin war mit Händen zu greifen. Was also tun? Einfach etwas anderes finden, an das wir die Ringe binden? So tun, als wäre Fanny nie für diese schöne Aufgabe geplant gewesen? Das kam einfach nicht in Frage. 

Und so kam ein zwar schmerzhaftes, aber auch sehr wohltuendes Gespräch zustande, in dem ich vorgeschlagen habe, die Ringe an Fannys Halsband zu hängen. Damit könnte Fanny zumindest in Gedanken ihrer Aufgabe nachkommen. 

 

Gestern war es dann so weit. Gefeiert wurde die Freie Trauung in der Villa im Heinepark, denn das war Fannys Lieblingsrevier. Hier hatte sie sich jeden Weg und jeden Baum zueigen gemacht und wenn Hunde eine Seele haben (wovon ich aus tiefster Überzeugung ausgehe!), dann stromert Fannys Seele durch den Heinepark! Und die Ringe waren an Fannys Halsband gebunden. Jeder der Gäste kannte Fanny und hat ihrer gedacht, als sich die zwei ihre Ringe angesteckt haben - und es sah einfach bezaubernd aus!